|
|
Vertiefungstag St. Bonifatius, Eimsbüttel 27.4.02
Gibt es heute noch Wunder?
Nun war es also wieder soweit. Es bot sich die Gelegenheit, mit Cursillo-Schwestern und Brüdern
zusammenzukommen und Cursillo-Gemeinschaft zu erleben. Der heutige Tag stand unter dem Thema
"Gibt es heute noch Wunder?" Für mich begann der Tag schon mit einem kleinen Wunder.
Hörte ich morgens doch den Regen an meine Fensterscheiben prasseln und dachte.- "Da werde ich ja
schon nass am Bahnhof ankommen." Gerade, als ich mich in Regenumhang gehüllt aufs Fahrrad schwang,
hörte es jedoch auf zu regnen.
Im Gemeindehaus Am Weiher angekommen stellte sich heraus, dass die
gewohnten Räume nur teilweise zur Verfügung standen, da sich auch eine peruanische Gruppe zum Feiern
versammelt hatte. So trafen wir uns zum ersten Teil unseres Programms in der Marienkapelle.
Die Stimmung dort passte sehr schön zu dem Impuls von Pfarrer Johannes Paul "Wunder wider die Vernunft"
Was versteht man nun aber unter einem Wunder? Das Urwunder ist sicherlich Gott. Es gibt immer etwas,
dass wir nicht entschlüsseln können. Gott ist viel größer als wir und sprengt unsere Vorstellungskraft.
Unsere Gottesbilder sind nur schemenhafte Versuche, ihn zu beschreiben
|
| |
Von der Aufklärung an bis zur Neuzeit galten Wunder als
Durchbrechung der Naturgesetze. Diese These lässt sich widerlegen.
|
Betrachtet man die in der Heiligen Schrift beschriebenen Wunder, stellt sich heraus, dass man Wunder
als Ereignisse, die wider jeglicher Erwartung eintreffen um Gottes Güte zu zeigen, beschreiben kann.
Ein sehr schönes Beispiel wird von Gisbert Greshake in seinem Buch über eine Wüstenfahrt beschrieben:
Der Expeditionsjeep blieb mit leerem Tank in der Wüste liegen. Die Expeditionsteilnehmer fanden genau an der
Stelle jedoch Benzinkanister, die Jahre vorher dort von einer anderen Expedition stehen gelassen wurden.
Genau so ein Wunder ist die Teilung der Fluten, als das Volk Israel vor den Ägyptern durch das Rote Meer flieht.
Alle 664 Jahre gibt es dort eine Ebbe, und genau zu diesem Zeitpunkt treffen die Israeliten dort ein.
|
|
|
| |
Wunder setzen also nicht Naturgesetze außer Kraft, sondern harmonisieren sie. Auch stellen Wunder unsere Logik nicht
beiseite, sondern in eine größere, umfassendere Logik bzw. Wirklichkeit. Wunder wirken auch nicht entgegengesetzt
unserer Vernunft. Sie entsprechen einer nicht messbaren Wirklichkeit. Als Beispiel lässt sich die Trauer anführen:
die Tränen sind zwar messbar (Salz-, Wassergehalt). Die wirkliche Trauer, die Gefühle lassen sich nicht messen.
Wunder sind nicht im experimentellen Bereich messbar.
Im übrigen können Wunder jeden Tag und zu jeder Zeit und für
jeden geschehen. Voraussetzung ist, dass man eine gewisse Feinfühligkeit für Wunder entwickelt. Viel zu wenig
Beachtung und Anerkennung in der Theologie findet noch die Telepathie, Psi-Forschung und Parapsychologie.
Für mich ist zum Beispiel die Telepathie ein Werkzeug, um Wunder geschehen zu lassen. Viele haben schon erlebt,
dass sie an eine bestimmte Person gedacht haben und im nächsten Augenblick ruft diese Person dann an. Nun könnte
man ja denken, Wunder wären lediglich Produkte von Wundergläubigkeit. Dies ist jedoch keineswegs der Fall.
|
| |
Jesus selber kann als
Evangelium gelten, als Heilsbotschaft in der Tat. Die von Jesus vollbrachten Wunder sind Machtbeweise
Jesu und zugleich Heilszeichen für eine vollkommene Verwirklichung in Jesus. Sie sind Hinweiszeichen auf
seine eigene Auferstehung (nach dem Tod brauchen wir diese Zeichen nicht mehr). Seine Auferstehung
verdeutlicht die Wunderbarkeit echter Liebe, echten Glücks, echten Friedens. Letztere weisen hin auf
Ursprung und Ziel. Jesu Auferstehung ist als einladendes nicht zwingendes Zeichen zu verstehen.
|
Das "Urwunder Jesus", das "JA" Gottes zu den Menschen
|
| |
 |
Wunder kann man nicht herausgelöst aus ihrem Zusammenhang begreifen. Dann wirken sie unecht und abgeschmackt.
Wichtig ist es, nach der Bedeutung eines Wunders zu fragen. In welchem Rahmen, unter welchen Voraussetzungen
geschieht das Wunder, was will das Wunder demjenigen zeigen, der es erfährt? Unter diesem Gesichtspunkt
sind auch die Wunderbeschreibungen der verschiedenen Evangelisten zu betrachten, deren Tatsächlichkeit
übrigens nirgends geleugnet wird. Diese Beschreibungen lassen sich in zwei Gruppen einteilen. So gibt es
Wunderberichte (Heilung des Blinden, Gelähmten, etc.) und Wundererzählungen. Die Wundererzählungen
bedienen sich des Märchens, um Wahrheiten deutlich zu machen. Beispiel: Brotvermehrung. Diese lässt sich
nicht historisch belegen, verdeutlicht jedoch, dass derjenige der sich auf Jesus einlässt sich auf überfülle
einlässt.
|
|
|
| |
In der Erzählung der Hochzeit zu Kana ist der Wein mit Freude gleichzusetzen. Das Leben (Wasser)
wird in Freude (Wein) umgewandelt. Das Gleichnis vom verdorrten Feigenbaum zeigt, dass es gar nicht so
leicht ist, die Heilung, die man von Gott angeboten bekommt, auch anzunehmen. Allen Wunderbeschreibungen
gemeinsam ist jedoch die Botschaft, dass das Reich Gottes immer Vorrang hat. Kein im Evangelium
beschriebenes Wunder ist nutzlos oder gar überflüssig. Alle Wunder haben den Sinn, Jesu Botschaft zu vertiefen.
Auffällig ist, dass es außer in dem, von den anderen Evangelien abgesonderten, Thomas Evangelium keine
Strafwunder gibt. Ebenso wenig enthält die Leidensgeschichte Wunder.
|
|
| |
Was hat die eigene Einstellung zu Wundern
für Auswirkungen? |
Bejahe ich ein Wunder, lasse ich mich auf die Person Jesu ein, auf seine Macht, etwas heil/ganz zu
machen bzw. zu harmonisieren. Dann kann es gelingen, die Größe Gottes durch Zeichen hindurch zu sehen.
Das Wunder bleibt dann nicht ohne Auswirkung, wird vielmehr zum Antrieb, den eigenen Umgang mit Menschen
zu überdenken. Ein Wunder ist immer erst eine innere Erfahrung.
Verneine ich ein Wunder, fürchte ich mich vielleicht vor anderen Menschen, was werden sie sagen,
halten sie mich für eine/n Spinner/in? Auch Hochmut kann ein Hindernis sein, um Wunder erfahren zu
können bzw. führt dazu, sie anders einzuordnen. Wer Wunder verneint, neigt dazu, sie aus dem Zusammenhang
herauszureißen und verdreht wiederzugeben.
|
| |
Im Zeitalter der Medien mit ihren erweiterten Möglichkeiten der Darstellung, wird in Wunderdarstellungen oft der
vermeintlichen Sensationsgier entsprochen, indem Wunder reißerisch, sensationell dargestellt werden.
Dabei kann man leicht den Blick für die kleinen, stillen Wunder verlieren.
Damit ein Wunder als
authentisch anerkannt wird, muss es sich einer überprüfung auf geschichtlichen Kern und theologischen
Inhalt unterziehen lassen. Erfundene Wundergeschichten dienen dazu, tiefgeistige Erfahrungen auszudrücken.
Jesus wird als Herr über die Natur angesehen (z.B. Hände auflegen). Da wir in einem Zeitalter leben,
in dem Spiritualität eine Renaissance erlebt, bzw.(teilweise) versucht wird, sie mit unserem
wissenschaftlichen Stand in Einklang zu bringen, wird wieder mehr über Heilungen durch Berührung berichtet.
Eine anerkannte Heilmethode ist z.B. die Festhaltetherapie. Sie hilft den Menschen, mit ihren negativen
Seiten fertig zu werden. Die Seele kann heil werden (vergleichbar mit Dämonenaustreibung durch Jesus).
|
Welche Bedeutung haben Wunder in der
heutigen Zeit für uns? |
|
|
| |
In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass sich böse Gewalten, Dunkelheiten
nie rein psychologisch erklären lassen. Sie sind aus immer welchen Gründen im Menschen verwurzelt.
Es gibt eben immer eine Polarität "Gut" - "Böse".
Ich möchte kurz erwähnen, dass die Erfurter Verzweiflungstat des Jugendlichen
uns zu Anfang dieses Tages sehr beschäftigt hat. Bei allem Mitgefühl für die Opfer und deren Familien
galt unsere Sorge aber auch der Familie des Täters und dem Täter selber.
|
| |
"Ein Wunder ist nur ein Zipfel seines (Jesu) Gewandes" |
Nun könnte man ja annehmen, dass man nur an Wunder zu glauben braucht, um als gläubiger Mensch zu gelten.
Eine bloße Wundergläubigkeit ist jedoch noch kein wirklicher, tiefer Glaube. Sie allein reicht nicht aus.
Wahrer, tiefer Glaube sensibilisiert jedoch für Wunder, ja wird zum Werkzeug für Wunder. Trägt man die
Sehnsucht nach dem "Himmel" in sich, können Wunder geschehen. Ein Wunder kann dazu beitragen,
dass ein Mensch lernt wieder zu glauben, zu lieben, zu hoffen.
Berührt hat mich Einsteins Zitat: "Wunder zu negieren heißt, die Wirklichkeit
nicht ernst zu nehmen."
Oft wird ein offensichtliches Zeichen für ein Wunder (Stigma) - ein Echtheitssiegel - als Last empfunden.
In diesem Zusammenhang sind auch Visionen zu nennen. Bei bildlosen Visionen wird ein inneres Bild nach
außen verlagert.
|
| |
Zur Vertiefung und Aufarbeitung des Gehörten trafen wir uns nun zur
Gruppenarbeit im Gemeindehaus. Jeder hatte Gelegenheit von eigenen Wundererfahrungen zu berichten.
Tatsächlich geschehen oft in ausweglos erscheinenden Situationen Wunder. Man bekommt plötzlich
eine passende Wohnung, findet eine neue Arbeitsstelle oder wird nach etlichen Bewerbungen doch
zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, hat zwischenmenschliche unerwartete Begegnungen,
die einen weiter bringen oder besteht eine Prüfung, obwohl man nicht damit gerechnet hat,
wird wider Erwarten gesund. All unseren Wunderberichten war gemeinsam, dass sie unser Leben in
eine positive Richtung gelenkt haben und uns Gott ein Stück näher gebracht haben.
Nach dem Mittagsgebet trafen wir uns zur Mittagspause im Gemeindehaus.
Die mitgebrachten Speisen waren diesmal auf dem umfunktionierten Billardtisch zum reichhaltigen
Büffet aufgebaut. Der einsetzende Regenschauer hielt die meisten von uns in den gemütlichen Sofas fest.
Die anregenden Gespräche mit bekannten und bis heute unbekannten Cursillo-Schwestem und -Brüdern haben
mir wieder einmal sehr gut getan.
Nach der Mittagspause trafen wir uns zur Bibelarbeit in Gruppen, um danach in der großen
Gruppe das Erarbeitete zu besprechen. Nachfolgend ein kurzer Abriß:
|
|
|
| |
- Heilung der blutflüssigen Frau (Mark. 5, 24-34) In diesem Wunderbericht
kommt eine Frau,
die seit 12 Jahren unter Blutungen leidet selbst zu Jesus, vielmehr kämpft sie sich zu ihm durch
und berührt schließlich sein Gewand. Jesus spürt die Kraft, die von ihm ausgeht. Er fragt, wer
ihn berührt hat und wendet sich der Frau zu, nimmt sich Zeit für sie.
Die nun geheilte Frau erfährt von Jesus, dass ihr Glaube ihr geholfen hat.
Auch wenn wir uns Jesus/Gott in intensivem Gebet zuwenden und um Heilung bitten, wird unsere
Bitte oft nicht erhört. Trotz der Nichterfüllung unserer Bitten sollten wir trotzdem weiterglauben.
Wir können als Menschen nicht beurteilen, wozu eine Krankheit "gut" sein soll. Oft eröffnet uns eine
Krankheit ganz neue Denkweisen und neue Erkenntnisse, führt uns mit Menschen zusammen, die unser
weiteres Leben schicksalhaft beeinflussen. Aus einer Krankheit können auch neue Aufgaben für uns
erwachsen (z.B. die Gründung einer Selbsthilfegruppe u.ä.).
|
 |
| |
- Die Heilung eines Blinden (Joh. 9, 1-38) Jesus heilt den Blinden, indem er ihm eine
Mischung aus Lehm und Speichel auf die Augen streicht. Die Augen bzw. das "Sehen können" ist sehr
wertvoll. Wenn wir jemandem in die Augen sehen, können wir ein Stück seiner Seele sehen.
Blinde können die Seele des anderen erspüren. Der Blinde erfährt das Wunder, sehen zu dürfen.
Dies führt ihn zum Glauben an Jesus. Das bloße Sehen können unterscheidet sich nun aber vom Schauen,
letzteres kommt von innen.
- Die Heilung der gekrümmten Frau (Lk 13,10-17)
Dieser Wunderbericht war uns nicht so
geläufig. Welcher Grund liegt ihrer Krümmung zu Grunde (körperlich/seelisch)?
Wir kamen zu dem Schluss, dass die Frau wohl eher seelisch gekrümmt wurde. Jesus rief die Frau zu
sich und das in einer vollen Synagoge, wo die Frauen sowieso abseits saßen. Er heilte sie,
indem er ihr die Hände auflegte. Nach ihrer Heilung pries die Frau Gott. Die Tatsache, dass Jesus
die Frau am Sabbat geheilt hatte, ließ uns darüber nachdenken, was der Sonntag heute für uns eine
Bedeutung hat. Viele von uns betrachten den Sonntag auch heute noch als Ehrentag
(Kirchgang, sonntägliche Kleidung, besonderes Essen, Zeit für die Familie, Ausflug, etc.).
|
|
| |
|
- Die Heilung des Gelähmten
(Lk. 5, 17-26) Der Gelähmte wird zu Jesus gebracht.
Später kam hier die Frage auf, ob er überhaupt hingebracht werden wollte. Jesus fühlte abermals
die Kraft zu heilen. Jesus sieht den Glauben und vergibt dem Gelähmten seine Sünden, so dass er
heil werden kann. Wir machten uns Gedanken darüber, warum der Gelähmte die Trage mitnimmt,
er braucht sie doch scheinbar nicht mehr. Vielleicht ist die Trage für ihn die Erinnerung daran,
dass er sich verpflichtet hat ein neues Leben zu beginnen; nun kann er die Bahre tragen, wo sie ihn
doch so lange getragen hat.
|
|
|
| |
Auch die Sündenvergebung beschäftigte uns. Immer wieder werden wir
schuldig, sind angehalten, unser Leben bzw. unsere Lebensweise zu überdenken.
Kleinere Anliegen können wir im Gebet vor Gott bringen. Für schwerwiegendere Anliegen steht uns die
Beichte zur Verfügung.
Schließlich stellten wir fest, dass in allen Wunderberichten offen gelassen wird, wie es mit dem
jeweilig Geheilten weitergeht. Was kommt nach dem Wunder? Wandelt das Leben sich zum Positiven?
Ich hoffe, dass ich euch, die ihr nicht an diesem Vertiefungstag teilgenommen habt,
für Wunder sensibilisieren konnte und wünsche uns allen noch viele wundersame Begegnungen und Erfahrungen.
Corinna Hordan
|
|