„Gott in allem suchen und finden”
Pater Köst SJ führte uns durch den Tag. Er machte uns zuerst kurz mit der Biografie des Gründers des Jesuitenordens bekannt. (1491-1556) Ignatius v.L. war zunächst Offizier des span. Vizekönigs. Bei der Verteidigung Pamplonas gegen die Franzosen (1521) wurde er verwundet. Während seines Krankenlagers entdeckte er die hlg. Schrift und er erlebte den Aufbruch zu religiöser Lebensführung. Er entwarf die Grundzüge der Exerzitien. 1537 empfing er die Priesterweihe und 1540 genehmigte Papst Paul III in Rom die Gründung des Ordens der Gesellschaft Jesu, deren erster Generaloberer er wurde.
Ignatius v.L. hat in dem Exerzitenbuch Anleitungen gegeben, wie eine Betrachtung einer Bibelstelle in drei Schritten erfolgen soll:
- 1. Hinführung: Ich entscheide mich für eine bestimmte Zeit und Gebetshaltung. Ich finde mich mit einem Gebet vor Gott ein und bitte, dass ich in meinem Tun und Denken ganz auf Gott hin orientiert sein kann. Ich lese aufmerksam den Text, um den Raum und die handelnden Personen zu erfassen. Dabei werde ich mir klar, in welche Situation der Text gesagt ist (Ort und Zeit der Handlung), wer was sagt und tut (handelnde Personen). Daran formuliere ich eine Bitte an Gott, die dem Text der Betrachtung entspricht, z.B. Gottes Weg mit den Menschen oder Jesu Wirken besser kennen zu lernen, Freude und Zuversicht mit Jesus empfinden zu können.
- 2. Betrachtung. Ich schaue auf die Personen: wie sie handeln, was sie sagen, wie sie in Beziehung zueinander stehen. Ich höre sie reden, sehe sie agieren. Ich gehe selbst mit in die vorgestellte Szene: ich versuche mich in die Szene hineinzubewegen. Ich kann zuschauen oder selbst handeln. Ich werde Teil der Betrachtung, indem ich mich ansprechen lasse oder selbst spreche und agiere. Fragen im Text kann, darf ich z.B. auf mich beziehen und eine eigene Antwort erwägen.
Dialog: Ich versuche mit Jesus (oder mit Gott oder Maria) ins Gespräch zu kommen. Ich bringe meine Fragen und Gefühle zum Ausdruck. Ich spreche mit Jesus wie ein Freund mit einem Freund und sage ihm, was mich jetzt besonders bewegt. Betend lasse ich mir und Jesus Zeit, damit der Dialog nicht zum Monolog meinerseits wird. In dieser Haltung verharre ich bis kurz vor Ende meiner Betrachtungszeit dankend, lobend, bittend oder auch klagend und ende mit einem kurzen bekannten Gebet.
- 3. Reflektion: Ich löse mich aus der Gebetshaltung und reflektiere meine Empfindungen am Beginn der Übung, während der Betrachtung, und wie fühle ich mich jetzt?
All das liest sich sehr trocken, es wurde lebendig durch das Tun anhand des Evangeliums bei Matthäus 14, 22-33. (Der Gang Jesu auf dem Wasser). Pater Köst führte uns Schritt für Schritt durch diese Schriftstelle. (Versucht es selbst einmal) Vor unserem geistigen Auge entstand ein Bild/Gemälde, eine Szene. Der See Genezareth, Morgengrauen, die Jünger im hin und hergeworfenen Boot, Jesus die ganze Nacht allein auf einem Berg betend, kam auf dem See auf sie zu - die Jünger erschraken, schrien vor Angst - ein Gespenst? Nachdem Jesus zu ihnen sprach, wurde Petrus mutig und wollte dem Herrn entgegen gehen. Aber, er bekam Angst und begann unterzugehen. Sein Schrei: „Herr, rette mich” und Jesus streckte sofort die Hand aus. „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?” Jesus und Petrus stiegen zu den anderen ins Boot und der Wind legte sich. Die Jünger fielen vor Jesus nieder. „Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn”.
Nach der Meditation von Pater Köst haben wir in Kleingruppen reflektiert - was hat mich angesprochen, wo finde ich mich wieder? Leider war eine Wiederholungsbetrachtung aus zeitlichen Gründen nur theoretisch möglich.
Ignatius empfiehlt pro Tag zwei Texte in drei Wiederholungen zu betrachten. „Nicht das vielerlei sättigt die Seele, sondern das Verschmecken und Verkosten”. Auch im alltäglichen Leben sind viele Lernprozesse mit Wiederholungen verbunden. Aus den Anleitungen im Exerzitienbuch wird deutlich, dass ich auf Jesus schauen, auf Jesus hören soll etc., aber nicht aufgefordert werde, selbst in die Rolle Jesu zu schlüpfen. Bei den großen Exerzitien (4Wochen) gibt es noch eine Betrachtungsart: Beten mit den fünf Sinnen - „Anwendung der Sinne”. Eine Ausführung würde hier den Rahmen.sprengen.
Fazit dieses Tages für mich: in meiner Bibelgruppe werde ich versuchen, aus den Texten ein Bild/ eine Szene erstehen zu lassen, genauer alle Personen in den Texten anschauen. Ob diese Form der geistlichen Übungen nach Ignatius v.L. für mich, täglich, umzusetzen, anzuwenden ist, wird die Erfahrung zeigen.
Sabine Wellmann
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