"Meine Seele wartet auf den Herrn"
... so lautete das Thema des diesjährigen Vertiefungswochenendes für "Cursillistas" im Advent im Kloster Nütschau. Ca. 20 TeilnehmerInnen trafen im Haus Ansgar ein, ordneten sich ein ins klösterlich-geistliche Leben - zunächst mit der Vesper und Euchachistiefeier - und nach dem Abendbrot mit Warten auf die Dinge, die da nun kommen sollten.
Verdutzt-überrascht nahmen wir dann zur Kenntnis, dass die eigentliche Leiterin dieses Wochenendes, Monika, erkrankt war und nicht teilnehmen konnte. Aber sie hatte für eine gute Vertretung gesorgt: ihre Schwester Anne Kücking übernahm es, den ersten Impuls zu setzen. Im übrigen führten uns die drei Mitarbeiterinnen Katharina, Jutta und Sabine gut durch dies Wochenende.
Zunächst gab es ein schockierendes Bild, welches wir betrachten durften. Schockierend deshalb, weil ein großer, faltiger, dunkler Klotz die Mitte einnahm und nur bei genauerem Hinsehen fiel auf, dass mitten in seiner sehr dunklen Höhlung ein Licht und Farbspiel war, welches besänftigend auf das Bild wirkte. Ganz klar: Im tiefsten Dunkel wird das Licht geboren, in schwärzester Traurigkeit neue Hoffnung.
Weihnachten ist diese Geburt des Lichtes und der Hoffnung, dies durften wir erspüren.
Dann durften wir den 1. Epheserbrief des Apostels Paulus einmal anders schreiben:
Mir ist die Herrlichkeit des Herrn, seine Vergebung meiner Verfehlungen geschenkt worden. Es wurde mir deutlich: ich war gemeint mit der Weihnachtsgnade! Ein schönes Gefühl, wenn es doch woanders heißt: was ist der Mensch, dass Du sein gedenkst? (Psalm 144).
Der Sonnabend hatte seinen Schwerpunkt in der Anbetungsstunde in der kleinen Kapelle. Es war möglich, vorher aus Halbedelsteinen sich einen dunklen und/oder einen hellen auszusuchen und diese dann als Symbol für dunkle Zeiten und Erfreuliches dem Herrn zu bringen, zu bitten und zu danken. Ich habe da abgeschlossen mit einer furchtbaren Erkrankung im letzten Jahr und neue Hoffnung geschöpft.
Der Abend wurde dem "Frohlocken" gewidmet - im Kaminzimmer, bei Wein und Wasser, auch mal ein Bier.
Es wurden Geschichten vorgelesen und erzählt von drei Königen (zwei davon mit weiblichen Vornamen), die ins Krankenhaus singen gingen und einen verloren, aber wieder gefunden haben, von Opa und Enkel auf dem Weihnachtsmarkt und Oma, die Lebkuchen sowieso eintunkt, von zerbrochenem Teller, den man dem Christkind schenken darf, wie alles Zerbrochene, von Pfarrern und Gemeinden, von Groß und Klein und Alt und Jung - und schließlich war Sonntag - Abschiedstag. Wie schnell!
Aber wir machten uns am Vormittag noch nach Emmaus auf den Weg, zu zweit ins Gespräch über das Erfahrene und Erlebte vertieft. Und siehe - da ging noch wer mit und sorgte für gute Verständigung!
Mir wurde jedenfalls an diesem Wochenende das Warten auf den Herrn nicht zu lang,
dafür aber deutlich, was sonst im Alltagsgeschäft des Weihnachtsrummels untergegangen wäre. Für die Seele beruhigend war immer wieder der Gebetsrhythmus der Mönche und erfreulich war unser vieles Singen unter Gitarrenbegleitung. Sogar ein Tänzchen haben wir zum Schluß gewagt, ein sakraler Kreistanz.
Nach dem Mittagessen verabschiedeten wir uns in der Gewißheit, zur Ruhe gekommen zu sein und uns irgendwann einmal wiederzusehen - vielleicht wieder im Kloster Nütschau! Ich wünsche allen TeilnehmerInnen und LeserInnen ein gutes neues Jahr.
Renate Riedel