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 Leben und Glauben verbinden.

 Cursillo seit 30 Jahren in Hamburg

Von ihrem ersten cursillo hatte sich Katharina Schmitten (65) eigentlich mehr versprochen. Das war 1985, als sie sich zu dem Glaubenskurs im Niels-Stensen-Haus in Reinbek überreden ließ: Die drei Tage zogen mehr oder weniger an ihr vorüber. Dann kam der Abschlußgottesdienst: "Da hat es mich plötzlich gepackt. Ich hatte ein unglaublich intensives Erlebnis, angenommen zu sein, zu wissen: Gott liebt mich so wie ich bin."

Seither hat Katharina Schmitten viele Glaubenskurse besucht. Mehr noch: Sie arbeitet aktiv für den Cursillo im Bistum und hat das Cursillo-Sekretariat übernommen. Was sich seither verändert hat? "Ich schöpfe aus den Kursen Kraft. Cursillo bietet mir die Möglichkeit, den eigenen Glauben intensiver zu erfahren, Leben und Glauben zusammen zu bringen".
Bis zu 20 Teilnehmer nehmen in der Regel an einem Kurs teil. Tagungsorte sind zumeist das Kloster Nütschau und das Niels-Stensen-Haus.

Geleitet werden die drei Tage von einem Laienteam und Priestern - als Seelsorger begleitet Pfarrer Heinrich-Friedrich Debbrecht aus Bornhöved Cursillo im Erzbistum. Traditionell sind die Kurse nach Männern und Frauen getrennt, es gab inzwischen aber auch den ersten gemeinsamen Kurs. "Das wurde sehr gut angenommen", erzählt Katharina Schmitten.

"Dass die Teilnehmer sich öffnen, von ihrem Glaubensweg erzählen, darum geht es vor allem in einem Glaubenskurs", sagt Wilfried Schmitten. Der Weg zur Selbsterkenntnis steht dabei am ersten Tag im Mittelpunkt: Hilfreich ist dabei auch ein Abend der Stille. Die Begegnung mit Christus und die Begegnung mit der christlichen Gemeinschaft, das sind die Themen der Impulse an den beiden folgenden Tagen. "Cursillo hilft, den Glauben lebendiger zu erfahren. Was man aus dem Kursus macht, weiß man vorher nicht", fasst Katharina Schmitten zusammen.

    

Hintergrund

Anfänge auf Mallorca

"Cursillo" heißt einfach "kleiner Kurs". Der kleine Kurs über das Christentum entstand auf Mallorca. 1947 und 1948 bereitete sich dort eine Gruppe junger spanischer Christen auf die alljährliche Wallfahrt nach Santiago de Compostela vor und suchte dabei nach neuen Wegen, um die Kluft zwischen kirchlicher Tradition und Alltagspraxis zu überbrücken und das Evangelium neu zu erleben. 1949 fand der erste Cursillo statt. Nach Deutschland kam Cursillo 1961, in Hamburg feierte Cursillo gerade sein 30-jähriges Bestehen.

Die gelernte Kinderkrankenschwester und Altenpflegerin ist im Erzbistum die Anlaufstelle für Cursillo: Sie organisiert die Kurstermine und Tagungsräume, nimmt die Anmeldungen entgegen, gestaltet gemeinsam mit ihrem Mann die Internetseite und die Rundbriefe, die zweimal jährlich in einer Auflage von 400 Exemplaren erscheinen. Rund 1000 Teilnehmer für Kurse im Erzbistum hat sie in ihrer Kartei verzeichnet.

Wichtig ist für Katharina Schmitten auch, Leben und Glauben in der Gruppe zu teilen. Alle zwei Wochen trifft sich das Ehepaar Schmitten deshalb mit drei anderen Paaren: zum Gebet, zum Bibel-Teilen aber auch zum Austausch miteinander. Sievert Wulff (66) gehört ebenfalls zu der Gruppe. Seit 1988 ist er für Cursillo aktiv, aber auch in seiner Gemeinde St. Marien in Bergedorf engagiert er sich vielseitig: "Cursillo ist kein Verein und hat nichts mit Extra-Frömmigkeit zu tun", betont er.

"Cursillo ist eine Bewegung innerhalb der katholischen Kirche. Wir sind keine Protestbewegung, sondern verstehen uns als vom heiligen Geist bewegte Kirche." Eine Kirche, die oft allzu sehr am Geist der Buchstaben klebe, findet er: "Cursillo kann einen wichtigen Beitrag leisten und zeigen, dass Kirche nicht nur auf Vorschriften reduziert ist, sondern dass der lebendige heilige Geist die eigentliche Mitte und Wirklichkeit unserer Kirche ist."

Als beflügelnd erlebte Wulff seinen ersten Glaubenskurs. "Ich hatte immer die latente Sehnsucht, über meinen Glauben zu sprechen." Das religiöse Leben könne sich doch nicht nur auf eine einzige Stunde am Sonntag beschränken. "Cursillo motiviert mich zum persönlichen Gebet und ist für mich eine gute Hilfe, um mein Leben mit Gott in der Familie, im Beruf zu gestalten. Erst dann kann der Sonntag und der Gottesdienst der wirkliche Höhepunkt der Woche werden."


Monika Sendker, Neue Kirchen Zeitung Nr. 28 vom 11. Juli 2004