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Vertiefungstag am Samstag, den 01.11.03 in St. Marien, Bergedorf

 
Das Thema machte mich gleich neugierig:

"Heilige, Unruhestifter des Geistes".

Der Tag hat mich wahrhaftig nicht enttäuscht. Es war ein hochspannendes Thema.

Im Eingangsreferat kamen nicht nur Heilige zu Wort, die im Kanon stehen, die also offziell heiliggesprochen sind. Heinz Debrecht spannte den Bogen von den Heiligen als "Unruhestifter", als "Helfer der Menschheit", als "Stimme des unterdrückten Volkes", von Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen und die etwas bewegt haben.

An vielen Beispielen von Las Casas und Ernesto Cardenal bis Albert Schweitzer und Mahatma Gandhi, von Märtyrern und Mystikern zeigte er, wie sie ihre Idee, ihr Angerührtsein und ihre Kraft in den Dienst Gottes am Menschen stellen. Er stellte uns Martin Luthers reformatorische Bemühungen dar, für die unsere Kirche noch nicht reif war, die erst das II. Vatikan. Konzil unter Johannes XXIII. wieder neu aufgriff und umsetzte: Die Kirche als Volk Gottes - Die Wertschätzung der Bibel - Die Umgestaltung der Liturgie. Er sprach von Menschen, die sich vom "notleidenden Christus" im Mitmenschen ansprechen ließen, die sich einsetzten ohne Rücksicht auf Rasse, Religion und Nationalität und nannte Henry Dunant, den Begründer des Roten Kreuzes und Vinzenz von Paul.

Er stellte die Frage, wo und wie heute Heilige wirken. Gibt es in einer Zeit des Zerfalls in Eigeninteressen nur noch Einzelkämpfer oder liegt die Veränderung der Welt in der Zukunft eher bei "Bewegungen"? Katharina Schmitten verwies in diesem Zusammenhang auf das europ. Treffen geistlicher Gemeinschaften am 8.05.04 in Stuttgart mit dem Thema: "Gemeinsam - wie denn sonst?", wo die Kirchen mitwirken wollen an der Gestaltung der Welt.

Die zwei Stunden waren im Nu verflogen und nach wenigen Handgriffen erwartete uns wieder ein köstliches Büffet.

Am Nachmittag trafen wir uns in 4 Gruppen und beschäftigten uns mit folgenden Heiligen: Franziskus v. Assisi, Katharina v. Siena, Oscar Romero und Edith Stein (Schwester Benedicta v. Kreuz).
Wir berichten euch aus zwei Gruppen.

Erzbischof Oscar Romero Oscar Romero, Erzbischof von San Salvador kämpfte für die landlosen Bauern (Campesinos) und wurde am 24.03.1980 während der Gabenbereitung am Altar erschossen. Romero wandte sich ursprünglich gegen eine Politisierung in der Kirche, kam aber durch die hinterhältige Ermordung seines Freundes, Pater Otilio Grande zu einer entschiedenen Haltung für die Campesino (Befreiungstheologie).

Es wurden ihm die Augen geöffnet, wie sehr die Kirche in das Bündnis mit den Reichen verwickelt ist. Er sah jetzt die Armut in seinem Land als strukturelles Problem an, das nicht nur durch individuelles Engagement gelöst werden kann. Es wurde ihm deutlich, dass Gott dieser ungerechten Situation in seinem Land nicht gleichgültig gegenüber steht. 1979 wurde er für den Freidensnobelpreis vorgeschlagen, den Mutter Teresa schließlich bekam. In seinen Predigten griff er die Militärregierung und die reiche Oberschicht an. Es war eine Zeit der Verfolgung für die Kirche in El Salvador. Sich Gott zuzuwenden stand für Oscar Romero in unlösbarem Zusammenhang mit der Zuwendung zu den Armen. 1979 teilte er seine persönliche Todesahnung einem mex. Journalisten mit. Im Martyrium sah er eine Gnade Gottes, die er nicht verdiene. In seiner letzten Sonntagspredigt las er Opfernamen vor und forderte Soldaten auf, keinem Befehl zu gehorchen, der dem Willen Gottes nicht entspricht. Er sprach vom "Weizenkorn, das sterben muss", um zu leben und neue Frucht zu bringen.

Seine Biografen entdeckten überraschend viele Ähnlichkeiten mit dem Leben Jesu:
  • Er hat seinen Tod angekündigt und vorhergesehen
  • Er lebte in tiefer Verbundenheit zu Gott von Anfang an
  • Er liebte das Gebet in der Nacht
  • Sein Freund wurde ermordet
  • Er nahm Partei für die Armen
  • Er bewegte sich in "schlechter Gesellschaft"
  • Er wird zum "Stein des Anstoßes" in seiner Kirche
  • Er wirkt drei Jahre in der Öffentlichkeit
  • Seine Waffe war das Wort
  • Er lebte und verkündete absolute Gewaltlosigkeit
  • Er nimmt den Tod durch Gewalt in Kauf
  • Sein Leben endet mit Hingabe
  • Er verzeiht vor seinem Tod seinen Feinden
  • Ein beeindruckender Streiter Gottes!

Edith Stein Edith Stein, aufgewachsen in einem strengjüdischen Elternhaus, mit überragendem Intellekt und Ehrgeiz ausgestattet, im Alter von 13 - 21 Jahren Atheistin, eine Frau, die von sich sagte, sie könne nicht gehorchen, fand auf ihrer jahrelangen Suche nach der Wahrheit zum christlichen Glauben. Entscheidend für sie war die Lektüre des Buches "Aus dem Leben der Hl. Theresia v. Avila". Sie lässt sich taufen und tritt später in den Kölner Karmel ein. 1938 weicht sie vor den NS-Machthabern nach Holland aus, wird aber auch dort verhaftet und zusammen mit ihrer Schwester 1942 in Auschwitz vergast. Am 1. Mai 1987 wurde sie seliggesprochen.
Am Abend nahmen wir am Gemeindegottesdienst teil und brachten uns mit Fürbitten in den Gottesdienst ein.

Der Tag in der Gemeinschaft, so liebevoll vorbereitet, hat uns gut getan und bereichert. Mit neuer Kraft gehen wir in unseren Alltag. Ein herzliches Dankeschön an alle, die zu seinem Gelingen beigetragen haben.
Brigitte Volk und Hilde Wollstein