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Am Samstag, dem 5.April 2003 trafen wir uns in St. Bonifatius zu einem Vertiefungstag mit Pfarrer
Johannes Peter Paul zum Thema
"Wo kann ich Gott finden?"
Als Einführung in das Thema erhielten wir einen Text von S. Kierkegaard:
Als mein Gebet immer andächtiger und
innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.
Ich wurde, was womöglich ein größerer
Gegensatz zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.
Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber, dass Beten nicht nur Schweigen ist,
sondern Hören.
So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören,
beten heißt, still werden und still sein
und warten, bis der Betende Gott hört.
Die Fragestellung "Wo kann ich Gott finden?" ist eigentlich falsch, denn Gott hat mich zuerst gesucht und
gefunden, ich muss mich nur darauf einstellen wollen. Im Gebet können wir zu Gott "Du" sagen, er meint mich
persönlich, nimmt mich an in meiner augenblicklichen Situation. Es gibt verschiedene Wege, um sich für Gott
offen zu machen. Einer kann z.B. über Literatur, ein anderer über Musik oder die Betrachtung eines
Gemäldes führen.
Den Weg zum Beten können wir als Schritte verstehen, die aber nie als Stufen zu denken sind. Es sind
Elemente, die fließend ineinander übergehen, wobei die Akzente unterschiedlich liegen. Wichtig ist meine
Einstellung, dass ich mich offen und wahrhaftig vor Gott stelle.
Lektion = lesen
Um den Text, die Musik oder das Gemälde in die Seele aufnehmen zu können, ist langsames Lesen,
wiederholtes Hören und Betrachten notwendig, ein schrittweises In - sich - gehen.
Meditation (Reflexion)
Das Gelesene, Gehörte oder Gesehene sollen wir mit Herz und Verstand verarbeiten, hin und her erwägen,
gleichsam "verschmecken". Der Sinn sickert über den Kopf ins Herz.
Oration = beten
Im Gebet vollzieht sich eine Ganzhinwendung zu Gott. Wir kennen alle das Bittgebet, es nimmt
Zukünftiges vorweg und erfasst alle Bereiche unseres Lebens. Die andere Seite des Bittgebetes ist das
Dankgebet. Danken ist mehr als bitten. Danken können wir z.B. für einen schönen
Sonnenaufgang, einen
gedeckten Tisch oder für eine gelungene Begegnung mit Menschen. Im Fürbittgebet versuchen wir, uns in
die Lage eines anderen zu versetzen, uns mit ihm zu solidarisieren. Im Bußgebet anerkenne ich vor Gott
meine Schuld und sehe gleichzeitig die Chance eines neuen Anfangs. Es sollen sich neue Lebensperspektiven
ergeben, so dass durch uns das Reich Gottes in Bewegung gebracht wird. Gottes Sache soll zu unserer
eigenen Sache werden.
Im Gebet leben wir in der Gegenwart Gottes - Gott ist da! Beten ist das Atemholen der Seele, dazu
müssen wir zunächst still werden.
Nach dem Impuls von Johannes Peter Paul trafen wir uns in Gruppen.
Unser Kreis hatte einen
Holzschnitt von Käthe Kollwitz mit dem Titel "Begegnung" vorliegen. Zunächst kam uns das Bild
ziemlich düster vor, beim intensiveren Betrachten erkannten wir die Innigkeit in der Begegnung
der beiden Frauen (Maria und Elisabeth).
Ausgehend von Lk 1, 39 - 56 stellten wir uns Fragen nach der Art unserer Begegnungen. Es gibt
viele Abstufungen, von einer flüchtigen Begegnung z. B .in der U-Bahn bis hin zu einer tiefen
Begegnung mit Christus in der Eucharistie.
Eine Gruppe beschäftigte sich mit einer Lebensbeschreibung in einem historischen Roman, eine
andere tauschte Erfahrungen im Umgang mit dem Rosenkranzgebet aus. Eine weitere Gruppe entdeckte
das Bibel-teilen. Mit einer Schlußrunde endete dieser Tag. Einige nahmen die Gelegenheit wahr,
die Gemeinde-Abendmesse zu besuchen.
Edith u. Werner Bittner
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