Fisch
Schriftgröße

Vertiefungstag am 05.10.2002 in St. Bonifatius, Eimsbüttel

Etwas müde aber voll Vorfreude auf diesen Tag radelte ich mal wieder zum Bahnhof bei gerade noch trockenem Wetter (so langsam glaube ich Regenwetter gehört zum Vertiefungstag dazu). Das letzte Stück Fußweg war einfach schön, das herbstliche Laub auf den Bäumen leuchtete, dicke Kastanien lockten zum Einsammeln. Das Thema dieses Tages war "Ich will ein Segen sein". Es wurde in Hinblick auf den ökumenischen Kirchentag in Berlin (28.05.-01.06.03) gewählt. Wir sollten die Möglichkeit bekommen, gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir in unserer Zeit, an dem Ort an dem wir leben, zum Segen werden können. Geleitet wurde der Tag von Frau Ursula Nielen, Mitarbeiterin der Pastoralen Dienststelle Hamburg. Unterstützt wurde sie von Cursillo-Mitarbeiterinnen.

Zunächst näherten wir uns dem heutigen Thema mit Bibelteilen. In Kleingruppen lasen wir den Schöpfungsbericht (1. Mose/Genesis 1,26-2,3). Beim Lesen und teilen dieses Textes kristallisierte sich heraus, dass wir als existentielle Grundlage Gottes Segen empfangen haben. In meiner Gruppe wurde deutlich, dass wir nur selber Segen weitergeben können, wenn wir von Gott und anderen Menschen den Segen empfangen haben. Aufgefallen war uns auch Gottes Ausspruch: "Lasst uns Menschen machen als unser Abbild". Gott bezieht also den Menschen mit ein. Beschäftigt hat uns allerdings, dass wir Abbilder Gottes sind. Einige Menschen kommen uns eher als Zerrbild Gottes vor. Wichtig war uns auch, dass Gott uns die Erde anvertraut hat in der Hoffnung, dass wir mit ihr pfleglich umgehen.

Was bedeutet es gesegnet zu sein?

Mit Hilfe von Dias ermöglichte uns Frau Nielen einen interessanten bibeltheologischen Zugang zu diesem Thema. Los ging es mit der Schöpfungsgeschichte, dargestellt auf einem Bild von Sieger Köder. Gott hält die Welt in seiner Hand, er hält sie von außen, ist gleichzeitig aber auch in ihr (gezeigt in Form eines roten Energieballes).

Schoepfung Sieger Köder

Die erste Segenshandlung nimmt Gott an allen atmenden Geschöpfen vor, sie bekommen eigene Lebensenergie. In seinem zweiten Segensakt spricht Gott den Menschen direkt an und segnet ihn. Hier ist der Segen verbunden mit der Gabe Leben weitergeben zu können. Der Mensch als Abbild Gottes kann auch Leben schaffen, er bekommt Macht von Gott. Zugleich kann er jedoch frei entscheiden.

Die einzige Forderung Gottes an den Menschen ist, dafür zu sorgen, dass das Vollkommene (von Gott als gut befundene Erschaffene) erhalten bleibt. In der 3. Segenshandlung segnet Gott den 7. Tag. Segnen bedeutet hier auch für heilig erklären. Das Ruhen Gottes am 7. Tag ist der Beginn einer neuen Ära, Gott erschafft nicht mehr, sondern ist in der Welt, also einfach für uns da

.
Hand Gottes Fresko

Aus dem nächsten Bild (Wandbild, 13. Jh.) in Mandalaform ging hervor, dass Segen nicht abstrakt ist. Gott wird als Segenspender dargestellt. Wir können Segensgaben wahrnehmen und weitergeben, wenn wir sie von Gott empfangen haben. Der dargestellte Kreis verdeutlicht die Vollendung. Ein Zipfel des Ärmels ist noch an der Hand, die aus dem Kreis herauszeigt, zu sehen. Er reicht bis an den Rand. Gottes Segen durchdringt alle Dimensionen, er reicht überall hin.

Weiter ging es mit einer Darstellung der Arche Noah Szene aus dem 6. Jh. - ein Regenbogen umspannt die Szenerie. Gott kommt den Menschen entgegen, Noahs Söhne sehen die Schöpfung. Noah sieht auch die Hand Gottes. Gott macht die Erfahrung, dass seine Schöpfung Mensch misslungen ist (Genesis). Gott reute es, den Menschen erschaffen zu haben, nur Noah hielt er für lebenswürdig. Es ist schwer auszuhalten, dass es viel Böses gibt und wir weit entfernt von der Vollkommenheit sind. Noah muss die Überflutung und Vernichtung aushalten, wird aber letztendlich von Gott gesegnet. Die Sintflutgeschichte kann als Wiederholung der Schöpfungsgeschichte gelten. Mit seiner abermaligen Segnung der Menschen zeigt Gott, dass er ihnen treu bleibt. Er schließt einen Bund mit den Menschen.

Der Segen Gottes wird sich jedoch immer wieder durchsetzen

Auf dem nächsten Bild war zu sehen, wie Gott Abraham segnet. Letzterer wird damit zum Segensträger und gibt den Segen weiter. Jeder Mensch darf den Segen aussprechen, bzw. weitergeben. Abraham entschied sich für ein Ja zu Gott, ihn erwartet eine segensreiche Zukunft.

Abraham hält ähnlich wie Sterntaler sein Gewand geöffnet nach oben, er vertraut auf Gottes Segen. Am oberen Bildausschnitt ist Gottes segnende Hand zu sehen. Sie zeigt mutmachend nach vorne. Im Gegensatz zu Abraham hat sich Jakob den Segen seines Vaters (Isaak) erschlichen und kämpft mit seinem schlechten Gewissen, bis er den wahren Segen empfängt. Das Gegenteil von Segen ist Fluch. Verfluchtes steht gegen Gott (z.B. Mensch gegen Mensch; ein Ort, wo kein Leben entstehen kann). Erfahrungen des Fluchs, bzw. der Gottesferne machen wir Menschen immer wieder. Der Segen Gottes wird sich jedoch immer wieder durchsetzen. Segen hat jedoch auch mit handeln zu tun. Aus dem Geschenk wird ein Auftrag ("macht Eure Hände stark")

.
Cathedrale Auguste Rodin

Das folgende Bild ("La Cathédrale", Anf. 20. Jh.) zeigt zwei sich zugeneigte, leicht geöffnete Hände, die eine "Kathedrale" bilden. Die Hände bilden ein gefülltes Gefäß. Fülle wird erlebt und weitergegeben. Es gibt eine Verbindung zwischen Himmel (oben) und Erde (unten). Zwischen den Händen ist Energie, Wärme, Schutz, Luft (Freiheit). Gottes Zuspruch "ich bin bei Euch alle Tage" wird hier versinnbildlicht. Seine Hand wird nicht mehr weggenommen werden. So ist denn Jesus als Mensch gewordener Segen Gottes zu verstehen. Seine Hände haben sich gefüllt mit Brot. Der verheißene heilige Geist wird empfangen und mit dem Segen weitergegeben. Der Segen ist also die leibhaftige Liebe Gottes. Gottes Segen bleibt in der Welt, auch wenn Jesus wieder zu seinem Vater zurückgeht.

Wo und wie habe ich es erfahren, gesegnet zu sein

Nach der Mittagspause folgte wieder Kleingruppenarbeit, zum Thema "Wo und wie habe ich es erfahren, gesegnet zu sein". Zunächst wählten wir ein Foto aus und überdachten in Stille die Punkte Himmel (Wo erlebe ich den Zuspruch und Segen Gottes?), Erde (Auf welchem Boden gründet mein Gottvertrauen?) und den Raum dazwischen (Wo erlebe ich die Spannung zwischen Fluch und Segen?).

Der Austausch über die eigenen Erfahrungen war sehr wohltuend und horizonterweiternd. Nach einer kurzen Kaffeepause suchten wir uns einen für uns passenden Segensspruch aus und gingen in die Kirche, um ihn dort zu meditieren. Dazu erfassten wir den gesamten Kirchenraum, indem wir in der Kirche herumgingen und bald anfingen, unseren Spruch laut vor uns hin zu sprechen. Im nächsten Schritt lasen wir uns unseren Spruch gegenseitig vor, wenn wir uns begegneten. Abschließend zündeten wir jeder ein Teelicht an der Osterkerze an und lasen unseren Spruch allen vor. Da es jeden Spruch 3 x gab wurden einige Sprüche mehrfach vorgelesen. Es war eine sehr harmonische und stärkende Stimmung in der Kirche zu spüren.

Ein kurzes Reflektionsgespräch, in dem zum Ausdruck gebracht wurden, dass dieser Tag sehr ruhig und harmonisch geleitet wurde, beendete dann diesen erfüllenden Tag. Bisher ist es mir immer schwer gefallen, direkt von Segen zu sprechen, geschweige denn, ihn auszusprechen. Dieser Tag heute hat mir aber Mut gemacht und ich bin wieder einen Schritt weiter.

Gott segne Euch!
Corinna Hordan